Ein Religionsunterricht für alle Schüler_innen Empfehlung

Vielfalt im Klassenraum Vielfalt im Klassenraum Mizdalski

Der "Religionsunterricht für alle" an den öffentlichen Schulen in Hamburg wurde weiterentwickelt. Seit den Staatsverträgen mit den muslimischen Verebänden, der jüdischen und der alevitischen Gemeinde entwickelte Hamburg seinen Religionsunterricht mit einem bundesweit einzigartigen Konzept weiter.

Der Religionsunterricht in Hamburg

Anders als in fast allen anderen Bundesländern wird der Religionsunterricht in Hamburg so gestaltet, dass dort Kinder aller Glaubensrichtungen und auch Kinder, deren Familien keiner Religionsgemeinschaft angehören, gemeinsam lernen. Zwar werden schon seit vielen Jahrzehnten Schülerinnen und Schüler aller Konfessionen und Religionen in den Unterricht eingeladen. Doch die Inhalte des Schulfaches Religion wurden bislang allein von der evangelischen Kirche verantwortet. Zukünftig wird der Religionsunterricht in Hamburg gleichberechtigt von mehreren Hamburger Religionsgemeinschaften verantwortet und von Religionslehrkräften dieser Bekenntnisse unterrichtet.

Die katholische Kirche beteiligte sich lange Jahre nicht am "Religionsunterricht für alle"

Die katholische Kirche hatte lange Jahre auf den katholischen Religionsunterricht an den öffentlichen Schulen verzichtet, weil traditionell katholische Kinder an einer der 21 katholischen Schulen angemeldet wurden. Seit den letzten dreißig Jahren besucht allerdings der weitaus größere Teil aller katholischen Kinder eine der öffentlichen Schulen. Nach dem Staatsvertrag zwischen der Freien und Hansestadt Hamburg und dem Heiligen Stuhl im Jahre 2005 wurde es möglich, dass auch der Staat das Fach Katholische Religion anbietet. Allerdings gibt es inzwischen nur an drei Standorten katholische Lerngruppen. Die Konkurrenz des "Religionsunterrichts für alle", der in der Regel im Klassenverband erteilt wird, ist zu groß. Dass die evangelische Kirche ihren Religionsunterricht für alle Schülerinnen und Schüler mit und ohne Konfession öffnete, hat sich in der pluralen Stadt Hamburg als Erfolgsmodell durchgesetzt. In der Öffentlichkeit wurde das Fach allerdings eher als Religionskunde und weniger als evangelischer Religionsunterricht wahrgenommen. Zu dieser Einschätzung hat sicherlich auch beigetragen, dass bis zum Ende des Schuljahres 2017/18 nicht nur beauftragte evangelische Religionslehrkräfte unterrichteten, sondern jede Lehrkraft, die sich den Schulleitungen angeboten hat, auch katholische Religionslehrkräfte.

Die Weiterentwicklung des "Religionsunterrichts für alle"

Eine Weiterentwicklung des „Religionsunterrichts für alle“ wurde nach den Staatsverträgen der Stadt mit den muslimischen Verbänden, der alevitischen und der jüdischen Gemeinde möglich. In einem Pilotprojekt wurde an drei ausgewählten Schulen ein „Religionsunterricht für alle“ in gleichberechtigter Verantwortung erteilt, in dem neben evangelischen auch muslimische und alevitische Lehrkräfte im Klassenverband Religion unterrichten.
Das Erzbistum Hamburg beteiligte sich bisher nicht an diesem Modell, weil verfassungsrechtliche Fragen und didaktische Grundlagen noch ungeklärt waren. Inzwischen hat die Nordkirche eine Vokationsordnung erlassen und die didaktischen Grundsätze des Faches weiterentwickelt. Das war aus Sicht der katholischen Kirche ein wichtiger Schritt zur Qualitätsentwicklung des "Religionsunterrichts für alle". Nach dem neuen Konzept tritt die Religionslehrkraft nun nicht mehr nur als Moderator_in in einem dialogischen Gespräch auf, sondern positioniert sich zu ihrem Bekenntnis. Im Rahmenplan werden Inhalte für religionsspezifische Phasen ausgewiesen, sodass Schüler_innen und Schüler unterschiedlicher Bekenntnisse auch Wissen über ihre eigene Religion erweitern können. Die Behörde für Schule und Berufsbildung (BSB) stand damit allerdings vor der Aufgabe zu klären, wer weiter im Unterricht eingesetzt werden kann und wer nicht.

Der Modellversuch zur "Konfessionellen Kooperation im Fach Religion"

Da der Erzbischof nur Religionslehrkräfte für den katholischen Religionsunterricht entsendet und die Nordkirche nur evangelische Lehrkräfte beauftragt, hätten ca. 100 katholische Religionslehrerinnen und -lehrer nur noch in einer Übergangsfrist bis 31.07.2022 unterrichten können. Weil absehbar war, dass der Bedarf an Religionslehrkräften für die Zeit danach nicht gedeckt werden könnte, haben BSB, Nordkirche und das Erzbistum Hamburg lange Gespräche geführt. Auf der Suche nach einer tragfähigen Lösung für alle Beteiligten, einigten sich die drei Gesprächspartner auf einen Modellversuch zur „Konfessionellen Kooperation“ im Fach Religion. Das ist ganz im Interesse der katholischen Kirche in Hamburg, denn nur so besteht die Chance, dass das katholische Christentum im Fach Religion authentisch dargestellt wird. Seit Beginn dieses Schuljahres läuft nun in Kooperation mit der Nordkirche der Modellversuch mit ausgewählten Lehrkräften an ausgewählten Schulen. Nach der Auswertung entscheidet der Erzbischof, ob die katholische Kirche sich an dem weiterentwickelten trägerpluralen Religionsunterricht für alle (RUfa 2.0) beteiligt.

Weitere Informationen erhalten Sie über Friederike Mizdalski, Leiterin des Referats Religionspädagogik in Schulen, Abteilung Schule Hochschule, Erzbistum Hamburg Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!