Häufige Fragen zum katholischen Religionsunterricht

Warum gibt es seit 2008 konfessionellen katholischen Religionsunterricht an einigen staatlichen Schulen in Hamburg? Was lernen die Schülerinnen und Schüler im katholischen Religionsunterricht?

Was ist neu am katholischen Religionsunterricht an öffentlichen Schulen?
 
Erst im Staatskirchenvertrag mit dem Heiligen Stuhl von 2005 sichert die Freie und Hansestadt Hamburg zu, dass katholischer Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach erteilt werden kann.
Bis dahin war an öffentlichen Schulen der „Religionsunterricht für alle“ in Verantwortung der evangelischen Kirche die Regel.
Katholische Schüler konnten freiwillig am außerschulischen Religionsunterricht in den Gemeinden teilnehmen oder ein katholische Schule besuchen.
 
 
Wie läuft es nun?

 
Mit Beginn des Schuljahres 2007/08 wurde der katholische Religionsunterricht nach und nach an den ersten öffentlichen Schulen eingerichtet.
Inzwischen werden etwa 150 Schüler an zehn Standorten in 13 Lerngruppen unterrichtet. Die Schulen befinden sich in Niendorf, Schnelsen, Stellingen, Lokstedt, Allermöhe und in der Neustadt – alles Stadtteile, in denen es keine katholischen Schulen gibt. Sechs Lehrkräfte sind dafür im Einsatz: Alle sind engagierte Berufsanfänger mit viel Überzeugungskraft.
 
 
Wie klappt es mit der Organisation?
 
Die Organisation ist nicht immer einfach. Wenn Schulleiter und das Kollegium informiert sind, müssen die Eltern angeschrieben werden. Sie geben eine Rückmeldung, ob ihr Kind am katholischen Religionsunterricht teilnehmen soll.
Es ist für die Schule nicht einfach, den Stundenplan so zu organisieren, dass die Religionsstunden der jeweiligen Klassenstufen immer parallel liegen. An manchen Schulen fällt der Religionsunterricht dann in den Nachmittagsbereich, auch wenn das nicht so gewünscht ist.
 
 
 
Wieso gibt es teilweise Widerstand?
 
Die Kollegien befürchten, dass durch den katholischen Religionsunterricht das Konzept des „RU für alle“ zerstört wird. Aber das ist nicht das Ziel der katholischen Kirche. Die Kirche möchte nur allen katholischen Schülerinnen und Schülern zusichern, dass sie im Religionsunterricht von katholischen Lehrkräften unterrichtet werden, wie es ihnen vom Grundgesetz her auch zusteht,
 
 
Die Katholiken wollen sich dabei aber nicht separieren: An einigen Schulen gibt es schon eine Kooperationen mit dem Religionsunterricht für alle, wenn die Stunden parallel erteilt werden können. Zu bestimmten gemeinsamen Themen wie Ostern, Weihnachten oder andere Religionen wird dann in Projekten gemeinsam gearbeitet. Dazu hat die Fachgruppe der katholischen Lehrkräfte ein Fachcurriculum erarbeitet, in dem Inhalte und Kompetenzen zu allen Themen zusammengefasst sind.
 
 
Was ist denn nun der Unterschied zwischen dem katholischen RU und dem „RU für alle“?
 
Der wesentliche Unterschied besteht in der Tatsache, dass der katholische
Religionsunterricht vom Grundsatz der konfessionellen Einheitlichkeit von Lehrern, Schülern und Lerninhalten ausgeht.
Katholischer Religionsunterricht wird deshalb nur von katholischen Fachlehrkräften erteilt, die zudem über eine kirchliche Lehrerlaubnis, die so genannte „Missio canonica“, verfügen.
Es gibt auch Schülerinnen oder Schüler, die nicht katholisch sind und an unserem Religionsunterricht teilnehmen möchten. Das ist möglich.
 
 
Warum ist es so wichtig, dass die Lehrkräfte selbst auch katholisch sind?
 
Nur jemand der selbst im Glauben steht, kann aus seinem Glauben heraus, authentisch Religionsunterricht erteilen. Die Lehrerinnen und Lehrer sind dann nicht auf die theoretische Wertevermittlung beschränkt. Als Vertreter ihres Glaubens können sie vorleben, was katholisch sein im Alltag ausmacht.
 
 
Geht es dann in dem Religionsunterricht darum, die Schülerinnen und Schüler zu guten Katholiken zu erziehen?
 
 Der Religionsunterricht an der Schule ist keine Katechese, so heißt die Glaubensunterweisung in der Kirchengemeinde. Der schulische Religionsunterricht möchte Glauben möglich machen: Bei ihm steht das Kennenlernen der Glaubenslehren und die Begegnung mit authentischen Katholiken, aber auch die Auseinandersetzung mit den anderen weltanschaulichen Grundüberzeugungen im Mittelpunkt.
Katechese setzt Glaubensbereitschaft voraus, Religionsunterricht nicht!
 
 

Was wird denn dann im katholischen Religionsunterricht gelernt?


- Der Religionsunterricht beschäftigt sich mit den Grundfragen menschlicher Existenz (”Wozu leben wir? Wo kommen wir her? Wie sollen wir leben? Was kommt nach dem Tod?”). Er weckt und reflektiert die Frage nach Gott, nach der Deutung der Welt, nach dem Sinn des Lebens und nach den Normen für das Handeln des Menschen. Er ermöglicht Antworten aus den biblischen Texten und aus dem gelebten Glauben.
 
- Er macht vertraut mit der Wirklichkeit des Glaubens und der Botschaft, die ihm zugrunde liegt und hilft, sich mit dem Glauben auseinanderzusetzen.
 
- Er motiviert zu religiösem Leben und zu verantwortlichem Handeln in der Kirche und in der Gesellschaft.
 
- Der Religionsunterricht befähigt zu persönlicher Entscheidung in der Auseinandersetzung mit Konfessionen und Religionen, mit Weltanschauungen und Ideologien und fördert so das Verständnis und die Toleranz gegenüber den Andersdenkenden.
 
- Im katholischen Religionsunterricht werden nicht nur die Grundlagen der eigenen Konfession vermittelt, sondern ebenso auch andere Sichtweisen, also andere Religionen, Weltanschauungen oder philosophische Grundrichtungen besprochen.


 
Gehört der katholische Religionsunterricht an die Schule, ist er nicht Sache der Kirche?

Wenn man Bildung nicht nur als Wissensvermittlung, sondern zugleich als Persönlichkeitsbildung begreift, muss der Staat jedem Schüler die Möglichkeit geben, auch seine eigenen Traditionen und Grundlagen zu begreifen. Hierzu gehören selbstverständlich auch weltanschauliche und religiöse Grundvorstellungen.
Der Religionsunterricht befasst sich mit den großen Fragen des Lebens, die in keinem anderen Fach thematisiert werden „Warum und wozu bin ich auf der Welt?“, „Wo gehe ich hin, wenn ich sterbe?“ oder „Muss ich immer gehorchen?“.
Daher ist es, wie es auch in Art. 7 Abs.3 Satz 1 des Grundgesetzes festgelegt ist, selbstverständlich staatliche Aufgabe, auch die religiöse und weltanschauliche Bildung von Schülern im Rahmen eines ordentlichen Lehrfaches Religion zu fördern - bei aller Neutralität. Schließlich umfasst die Religionsfreiheit nicht nur die Freiheit, nichts mit Religion zu tun haben zu müssen, sondern auch die Freiheit, sich für Religion und Religionsunterricht entscheiden zu können.
Ein staatlich kontrollierter Religionsunterricht hat zugleich den Vorteil, dass die Rechts- und vor allen Dingen die Verfassungskonformität der entsprechenden Unterrichtsinhalte kontrolliert werden können. Nur im Rahmen der staatlichen Organisation des Religionsunterrichts kann abgesichert werden, dass im Unterricht nichts vermittelt wird, was den in unserer Verfassung niedergelegten Grundwerten widerspricht.
 
 
Quellen:
Die deutschen Bischöfe: Argumente für einen Religionsunterricht an öffentlichen Schulen, Bonn 2007
Die deutschen Bischöfe: Kirchliche Richtlinien zu den Bildungsstandards für den Katholischen Religionsunterricht in der Primarstufe, Bonn 2006
http://www.pro-reli.de/volksentscheid/?page_id=50
Neue Kirchenzeitung vom 22.05.2011, „Über Gutes muss man reden!“, Jutta Schröter von der Behörde für Schule und Berufsbildung über die Chancen von katholischem Religionsunterricht an öffentlichen Schulen