Einsatz digitaler Medien im katholischen Religionsunterricht

Digitale Medien sind fester Bestandteil der Lebenswelt unserer Schülerinnen und Schüler. Muss sich auch der Religionsunterricht in Aufgabenstellungen dieser veränderten Lebenswelt anpassen?

Es gibt sogar Gründe, die sich auf den Lernprozess beziehen, die den Einsatz von digitalen Medien rechtfertigen.

Schülerinnen bei der Aufnahme einer Radiosendung im Unterricht

Lernprozesse fördern durch den Einsatz digitaler Medien im Religionsunterricht

Dass digitale Medien fester Bestandteil der Lebenswelt unserer Schülerinnen und Schüler sind, zeigt sich am Sprachgebrauch, der sich seit den letzten 10 Jahren verändert hat: Während das Wort „Telefon“ zum Beispiel fast verschwunden ist, unterscheiden Schüler jetzt zwischen „Festnetz, Handy oder Chat“. Außerdem können wir  Kompetenzen voraussetzen, die wir selbst uns in den letzten Jahren mühsam erarbeiten mussten: Was nicht sofort gewusst wird, wird gegoogelt. Aufsätze, Referate, Bewerbungen oder Bilder werden als Dateien gespeichert. Bilder und Videos werden bearbeitet und auf youtube.de gestellt. Jugendliche haben eine Menge virtueller „Freunde“, mit denen sie permanent über SchülerVZ oder Facebook Informationen austauschen.

Schon allein aus diesem Grund muss sich auch der Religionsunterricht in Präsentation und Aufgabenstellungen dieser veränderten Lebenswelt anpassen.

Zusätzlich gibt es Gründe, die sich auf den Lernprozess beziehen und deshalb den Einsatz von digitalen Medien rechtfertigen.

 

1. Lernprozesse und Sinneseindrücke

Auf das Einbeziehen mehrerer Sinne wird mit dem didaktischen Prinzip der Ganzheitlichkeit schon lange im Religionsunterricht wert gelegt. Die neueren Erkenntnisse der lerntheoretischen Forschung unterstützen dieses Prinzip:

Die Erinnerungsquote steigt, je mehr Sinne am Lernprozess beteiligt sind. So behalten wir von dem Gehörten 20%, dem Gesehenen 30%. Wenn wir etwas hören und sehen, können wir uns 50% davon merken. Wenn wir über das, was wir gehört und gesehen haben, noch diskutieren, merken wir uns 70% davon. Wenn wir zusätzlich noch etwas selber tun, merken wir uns sogar 90 % des neuen Stoffs.

Oberflächlich betrachtet scheinen digitale Medien nun nicht gerade mehrere Sinne anzusprechen. Allgemein stehen sie im Ruf, dass ihre Nutzer nur konsumieren.

Doch in Zeiten des Web 2.0 erstellen Schülerinnen und Schüler in ihrer Freizeit selbst etwas, publizieren ihre Ergebnisse auf Plattformen wie Youtube oder Myspace und erwarten ein weltweites Feedback für ihre Einträge. Diese Fähigkeiten und Fertigkeiten können wir für den Religionsunterricht gezielt nutzen, um Lernprozesse zu fördern.

 

2. Einsatz digitaler Medien im Religionsunterricht

Der Einsatz digitaler Medien im Religionsunterricht kann in drei Bereichen stattfinden:

- Konsumieren

- Selbst erstellen

- Gemeinsam publizieren

 

Schülerinnen machen eine Tonaufnahme

 

2.1 Konsumieren

Wir erkennen an, dass die neue digitale Technik leichter zu handhaben ist, als konservative Geräte. Deshalb nutzen Lehrerinnen und Lehrer zunehmend, Laptop und Beamer für Einstiegsimpulse oder Inputs, wo vor einigen Jahren noch umständlich Overheadprojektoren, CD-Player oder Videogeräte gebraucht wurden.

Damit die Schülerinnen und Schüler etwas konsumieren, also etwas sehen oder hören können, wird die Lehrkraft bei der Planung des Unterrichts am eigenen PC eine digitale Datei erstellen.

 

2.1.1 Bilder

Ein Bild soll in eine PowerpointPräsentation eingebunden werden, damit es optimal präsentiert werden kann. Vielleicht wird das Bild noch mit einem Bildbearbeitungsprogramm (Paint, Gimp) bearbeitet, sodass es der Klasse in Ausschnitten gezeigt werden kann. Nun erscheint auf Mausklick der gewünschte  Bildausschnitt an der Wand, nach weiteren Klicks entsteht das vollständige Bild, ohne dass die Lehrerin oder der Lehrer sich von der Klasse abwenden muss oder umständlich irgendetwas abzudecken hat.

 

 

2.1.2 Videoclip oder Slideshow

Der Klasse soll eine Bilderfolge als Einstiegsimpuls für eine neue Fragestellung gezeigt werden. Diese Bilderfolge kann man in eine PowerpointPräsentation einbinden oder in WindowsMovieMaker (o.ä. Videoprogrammen) zu einem Videoclip verarbeiten. In beiden Programmen kann die Bilderfolge mit einer Sounddatei (Musik oder Sprache) unterlegt werden. Im Unterricht läuft dann die Bildershow über Laptop und Beamer automatisch oder per Mausklick ab.

 

 

2.2 Selbst gestalten

Leider gibt es immer noch nicht in allen Schulen die Möglichkeit, dass Schülerinnen und Schüler zu jederzeit im Unterricht Zugang zu digitalen Medien haben. Wenn es  möglich ist, mehrere Laptops im Klassenzimmer bereitzustellen oder den PC-Raum der Schule zu nutzen, können Schülerinnen und Schüler digitale Arbeitsergebnisse gestalten. Dabei kann jeweils einer Gruppe oder  einem Team ein Laptop zur Verfügung gestellt werden, das als Werkzeug dient, um Arbeitsergebnisse festzuhalten und präsentieren zu können oder um etwas digital gestalten zu können.

 

2.2.1  Präsentation von Arbeitsergebnissen

Ergebnisse einer Gruppenarbeit können gut lesbar über eine Powerpointpräsentation oder eine Word-Tabelle dargestellt werden. Die Ergebnisse können abgespeichert und immer wieder bearbeitet werden. Dieses Vorgehen spart Papier, das üblicherweise für Plakate und Arbeitsblätter Ressourcen verschwenderisch verbraucht wird.

 

2.2.2 Comic, Trickfilme oder Fotoroman

Ohne viel Aufwand können Schülerinnen und Schüler ihre Ideen zu einem Thema am PC als digitalen Comic gestalten. Dazu gibt es ein einfaches selbsterklärendes Programm, das die Initiative Step21 in ihrer Medienbox zur Verfügung stellt (Informationen zur Medienbox unter www.step21.de).

Erstellt mit der Comicsoftware von step21

 

 

 

Gefühle oder Körperausdrücke können im Standbild dargestellt werden oder aber als Bewegungsfolge zu einem kurzen Trickfilm verarbeitet werden. Mit dem Programm „Pivot“ erwecken  Schülerinnen und Schüler Strichmännchen zum Leben und speichern ihr Ergebnis als animiertes Gif ab.

 

Endlich_ein_Wiedersehen.gif

 

Troesten.gif

 

 

 

In Powerpointfolien können leicht Fotos und Sprechblasen eingefügt werden, um eine eigene Geschichte in Form eines Fotoromans erzählen zu können.

Die Formate Comic, Trickfilm oder Fotoroman haben den Vorteil, dass Handlungen leicht strukturiert auch von sprachlich schwächeren Schülerinnen und Schüler dargestellt werden können.

 

 

2.3 Gemeinsam publizieren

Schülerinnen und Schüler jeder Altersstufen nutzen das Netz, um über Foren, Plattformen oder in Communities weltweit mit anderen Kontakt aufzunehmen und zu kommunizieren. Bisher wurde von pädagogischer Seite oft über die Schattenseiten diskutiert und vor Gefahren wie Cybermobbing oder Kinder gefährdenden Inhalten gewarnt. Diese Gefahren bestehen aber besonders, wenn Erwachsene sich aus der Welt der Kinder und Jugendlichen heraushalten. Besser ist es, sich für die Bewegungen der jungen User im Netz zu interessieren und zu zeigen, dass man eine sinnvolle Nutzung sogar unterstützt. Es bietet sich an, die AGB von Seiten wie Facebook oder instagram gemeinsam zu lesen und den Sinn der Nutzungsregeln zu besprechen.

 

 

2.3.1 Soundaufnahmen

Fast jede Schülerin, jeder Schüler kommt heute technisch gut ausgestattet in die Schule. Zwar sind die elektronischen Geräte wie Smartphone, MP3-Player oder I-Pod von Lehrerinnen und Lehrern nicht gern gesehen. An vielen Schulen ist die Mitnahme sogar verboten.

Vielleicht sollten Kollegien aber mal über einen sinnvollen Einsatz im Unterricht nachdenken und diesen bewusst herausfordern. Mit dem Smartphone können schnell Fotos für einen Fotoroman geschossen werden oder Soundaufnahmen von einem Interview oder einer Straßenbefragung in den Unterricht gebracht werden.

Mit Soundaufnahmeprogrammen wie Audacity oder PodcastMaker können Schülerinnen und Schüler Podcasts oder Radiosendungen zu einem Thema produzieren, indem sie verschiedene Aufnahmen zusammen schneiden und eigene Spuren besprechen.

Die Ergebnisse werden nicht nur der Klasse vorgestellt, sondern im Netz auf entsprechenden Plattformen, wie audiyou.de veröffentlicht.

 

Ein Beispiel gibt es auf audiyou.de zu hören: Was sind echte Freunde?

 

3. Nützliche Links für die Planung eines Unterrichts mit digitalen Medien

Die meisten hier erwähnten Programme oder Apps sind Freeware und kostenlos im Netz runterzuladen. (s. Internet Tipps). Wem nicht das Windows-Office Paket mit Word und PowerPoint zur Verfügung steht, kann mit den kostenlosen Programmen von Open Office arbeiten.

Spezielle Nachfragen werden gern über diese Seite beantwortet.

Alle Anleitungen finden Sie im Download.