Der Weg des Christopherus

Eine Hinführung zum Sakrament der Versöhnung auf einem Einkehrtag für Firmlinge

 

1. Nach einer Begrüßung wird die Geschichte von Reprobus - Christophorus im Stuhlkreis erzählt (Nach RPP 1989/4). Dabei entsteht in der Kreismitte durch Zeichen ein Bild

Bei den folgenden Abschnitten werden Zeichen als Stationen in den Kreis getragen:

  • Reprobus und der Teufel kamen an einem Kreuz vorbei" - ein dunkelrotes Tuch wird ausgebreitet und darauf ein großes Kreuz gelegt.
  • ..Da ging Reprobus hinaus zu dem Einsiedler'" - 2 braune Tücher werden als Höhle geformt davor das entsprechende Bild aus der Mappe.
  • ..Geh an den Fluss und trage die Menschen hinüber und herüber!" - 2 ockerfarbene Tücher, darauf ein kräftiger Fluss aus blauen Tüchern.
  • ,.Du hast den getragen. den du suchst, den Herrn der Welt"": eine große Kerze wird in den Fluss gestellt.
Vor langer Zeit lebte einmal ein Mensch, groß und stark. "Er hat Kraft zum Baumausreißen". sagten die Leute. Ein Baumstamm samt Wurzeln diente ihm auch als Stock und Stab, wenn er unterwegs war. Doch obschon er riesengroß und riesenstark war, hatte er nichts zu lachen. Er wusste mit seinen Kräften nichts anzufangen. Keiner sah ihn an und bewunderte ihn. Keiner brauchte ihn. Keiner mochte ihn. So, ohne alles Ansehen, kann aber kein Mensch leben. Der Riese wurde verbittert, hässlich, traurig. Reprobus nannten' ihn die Menschen. den Hässlichen. Verdammten.

Eines Tages war die Unzufriedenheit des Riesen so groß geworden. dass er sie nicht mehr ertragen konnte. Er wollte heraus aus seiner Verlas­senheit und Einsamkeit. So brach er auf und machte sich auf den Weg. Er ging nach Osten zu einem König, von dem er gehört hatte, er sei reich und mächtig; er herrsche über viele Länder und besitze ein großes Heer. Wenn ich diesem König diene. dachte der Riese, habe ich teil an seiner Macht, an seinem Glanz. Ich bekomme Ansehen. Der König fand Gefallen an der Größe und Stärke des Riesen. Er stellte ihn in seinen Dienst. Und weil es keinen gab, der sich mit der Kraft des Riesen messen konnte, machte ihn der König bald zum Anführer all seiner Soldaten. Nun war Reprobus jemand. Jetzt hatte er Ansehen. Alle Soldaten mussten auf sein Wort hören. seinem Wink gehorchen. Die Feinde aber gerieten vor dem Riesen und seinem gewaltigen Heer in Schrecken. Sie wandten sich ab, ergriffen die Flucht. Wenn Reprobus dann siegreich von der Schlacht nach Hause kam, rühmten die Sänger am Hof des Königs des Riesen Größe und Stärke. Er hatte nun. was er suchte: Ansehen, Bewunderung.

Als Reprobus eines Tages wieder einen großen Sieg errungen hatte und die Leute ihn umjubelten: "Reprobus fürchtet weder Tod noch Teufel", rief der König unwillig aus: "Lasst mir den Teufel aus dem Spiel! Redet mir nicht vom Tod!" Da stutzte Reprobus. Warum erschrickt der König bei dem Wort "Teufel" zu Tode? Gibt es einen Stärkeren als ihn? Dann will ich gehen und diesem Stärkeren dienen. So verließ er den König. um von nun an in den Dienst des Teufels zu treten. Wo aber war dieser zu finden? Wie konnte man sein Diener werden?

Es war nicht schwer, den Herrn des Bösen zu finden. Böses geschieht überall auf der Welt. Überall gibt es Lüge, Hass, Neid und Streit. Es war auch nicht schwer, diesem Herrn zu dienen. Es ging dem Riesen leicht von der Hand, das Böse zu verbreiten, hier eine Lüge, dort eine Intrige. Er stiftete die Menschen an, immer rücksichtsloser zu werden, immer mehr haben zu wollen. Es war ein Kinderspiel, den Unfrieden zu verbreiten. Freilich, glücklich wurde der Riese dabei nicht.. Vielmehr verhärtete sich sein Herz, sein Gesicht verfinsterte sich mehr und mehr.

Doch eines Tages machte der Riese eine Entdeckung. Er war mit dem Bösen unterwegs, um Böses zu verbreiten. Sie kamen in eine Wegkreu­zung. Da stand ein Kreuz.
  • Ein dunkelrotes Tuch wird ausgebreitet und darauf ein großes Kreuz gelegt.
Daran hing ein Mensch, ausgespannt zwischen Himmel und Erde, die Arme ausgestreckt, als wolle er Menschen umarmen. Als der Teufel das Kreuz erblickte, konnte er es nicht ansehen; mit Furcht und Zittern wandte er sich von ihm ab, machte einen großen Bogen um das Kreuz. Da wurde es Reprobus leicht ums Herz. Er wusste, es gibt noch einen Stärkeren als den Bösen. Der da so ohnmächtig am Kreuz hängt. ist stärker als der Böse mit seiner ganzen Bosheit. Aber wer ist dieser Gekreuzigte, und wie diene ich ihm, dachte der Riese.

Die Leute, die Reprobus danach fragte, wiesen den Riesen in einen Wald, wo ganz zurückgezogen und still ein frommer Mann, ein Einsied­ler. in seiner Hütte hauste. Der könne von dem Mann am Kreuz erzählen. Sie selbst wüssten davon zu wenig und hätten jetzt auch keine Zeit.

Reprobus suchte den frommen Mann auf.
  • 2 braune Tücher werden als Höhle geformt, davor wird ein Bild von einer dunklen Höhle gelegt.
Und er blieb bei ihm lange Zeit. Er konnte nicht genug von dem Gekreuzigten hören. Er erfuhr, dass dieser Jesus heiße; dass Jesus viele Menschen von ihrer Angst befreit und ihnen Mut zum leben gegeben habe; dass er Kinder in die Arme genommen und gesegnet habe, viele Kranke geheilt habe; dass er, obschon von seinen Feinden ans Kreuz geschlagen und getötet, am dritten Tage von den Toten auferstanden sei; dass er der wahre Sieger über Tod und Teufel sei.

"Ihm allein will ich dienen", entschloss sich der Riese und er bat den Einsiedler, ihm zu zeigen, wie er in den Dienst dieses Jesus treten könne.

"Mach es wie ich," gab der fromme Mann zur Antwort. "Bau dir hier in der Stille und Einsamkeit des Waldes eine Hütte. Bete und faste'" Der Riese wurde traurig. "Ich kann das nicht, sprach er, „siehst du nicht meine Kraft in den Armen, in den Beinen, meine Kraft zum Baumausreißen? Gibt es denn nichts, wo ich diese Kraft einsetzen kann?"

Der Einsiedler dachte lange nach, dann wusste er Rat. "Ein jeder diene Jesus mit den Kräften, die ihm gegeben sind. In der Nähe fließt ein wilder, reißender Fluss. Hörst du, wie er tost und braust?
  • 2 ockerfarbene Tücher, darauf ein kräftiger Fluss aus 2 blauen Tüchern, werden ausgebreitet.
Keine Brücke führt darüber. Kein Boot kann ihn überqueren. Doch du bist groß und stark. Du könntest Menschen durch seine gefährlichen Wasser ans andere Ufer tragen."

Ja, das war etwas ganz nach dem Herzen und den Kräften des Riesen. Er befolgte den Rat des Einsiedlers, baute seine Hütte an das Ufer des Flusses und trug nun bei Tag und bei Nacht Menschen Ober die wilden Wasser.

Sieben Jahre tat er unverdrossen seinen Dienst. Da rief ihn eines Nachts eine helle Stimme: "Fährmann, hol über!" War das nicht ein Kind. das gerufen hat?" dachte der Riese. Eilends stand er auf, und wahrhaftig, da stand mitten in der Nacht ein kleines Kind am anderen Ufer und wollte Ober den Fluss getragen werden. Der Riese nahm seinen großen Stock und stapfte ins Wasser. Er hob das Kind auf seine Schultern, um es durch die Flut zu tragen. Doch mitten im Fluss wurde ihm die Last so schwer. Es wir ihm. als trüge er. in dem Kind Himmel und Erde zugleich. Schon standen ihm die Wasser bis zum Hals. Mit letzter Kraft erreichte er das Ufer. Mit Verwunderung und Staunen nahm er das Kind von seinen Schultern. "Wer bist du'?" fragte er. Das Kind aber schaute den Riesen mit Augen an, die ihm das Herz ganz warm werden ließen und antwortete: "Ich bin der, den du suchst: Christus, der wahre Herr über Himmel und Erde..
  • Eine große Kerze wird in den Fluss gestellt.
Es ist ein Geheimnis: Im Schwächsten trägst du den Mächtigsten. Im Kleinsten dienst du dem Größten. Im Geringsten achtest du den Höch­sten. Dir gebe ich aber nun einen neuen Namen. Du sollst nicht mehr Reprobus heißen, der Hässliche, sondern Christophorus, der, der Chri­stus trägt. Dies soll dir zum Zeichen sein; Stecke deinen dürren Stock in die Erde. Er wird dir grünen und blühen. Der Riese tat, was ihm das Kind geheißen. Als der Morgen kam, staunte der Riese. Aus dem dürren, toten Baumstamm war ein großer Baum geworden mit mächtiger Krone, reich an Ästen. Zweigen, Blüten und Blättern. Und als der Riese sein Gesicht im Wasser des Flusses wusch, sah er, dass es sich gewandelt hatte. Nicht mehr ungestalt, hässlich war es, nein, es war ganz mensch­lich, schön geworden.
  • Wir lassen die Geschichte in einer kurzen Stille wirken. .
2. Die Großgruppe wird aufgelöst. In Kleingruppen werden nach einander die Stationen abgearbeitet. Die kleinen Gruppen finden sich um ein Kreuz, das in der Mitte liegt zusammen.

2.1 Wir denken an das, was für uns wichtig ist.

Firmlinge notieren auf bunten Zetteln Dinge, die ihnen in ihrem Leben wichtig sind.

Pro Zettel nur ein Begriff.

2.2 Wir weichen der Begegnung mit Christus aus

Der Katechet beginnt langsam das Kreuz mit den bunten Zetteln zuzudecken. Die

Firmlinge machen es ihm langsam nach und decken so langsam das Kreuz zu.

Was haben wir getan?

Wir haben das Kreuz Christi verdeckt.

Haben wir keinen Blick für Jesus mehr frei?

Wir schieben ihn beiseite. Wann geschieht das?

Firmlinge mit eigenen Worten formulieren lassen.

Stille

Wir sind auf dem Weg zur Firmung an einen Punkt angelangt, wo wir bewusst vor Jesus hintreten und ihn offen anschauen sollen. Im Licht seines Lebens sieht unser Leben anders aus, als wenn wir es allein anschauen.

Jesus fordert uns heraus, uns zu ihm zu bekennen und uns neu für ihn zu entscheiden.

2.3 Ich finde meinen Weg nicht allein

In Anlehnung an die Geschichte von Reprobus, nehmen die Firmlinge Begegnung mit dem Einsiedler auf. Der große gefährliche Fluss kann ihn nicht wegreißen, denn seine Sehnsucht nach dem mächtigen Herrn und das< Wort des Einsiedlers machen ihn stark.

Die Firmlinge gestalten auf einem großen Plakat einen Fluss und eine Brücke, die darüber führt. In den Fluss schreiben sie, was sie wegreißen könnte. Auf der Brücke notieren sie Menschen oder Elemente, die ihnen Hilfe oder Wegweiser sind.

2.4 Wir finden uns vor Jesus ein

Reprobus will alles über Jesus erfahren. Er entscheidet sich für Jesus.

Auch wir müssen auf Jesus schauen und ihn zu uns reden lassen.

Das Kreuz wird langsam wieder von den Firmlingen abgedeckt.

Firmung ist Stärkung. Stärkung beginnt im klaren Hinschauen auf Jesus.

Stärke brauchen wir auch, um auf uns selbst zu schauen. Das tun wir im

Beichtgespräch. Wir treten zuerst eindeutig vor Jesus, schauen vor ihm das eigene

Leben an und ordnen es neu.

Durch die Beichte sollen wir frei werden vom Bösen, dass uns von Jesus fernhält.

Die Zukunft liegt vor uns. Jesus fängt mit uns eine neue Geschichte an.

2.5 Wie wir Jesus dienen können

Wie können wir nun Jesus dienen? Unser Leben in seinem Sinnen führen?
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Die Firmlinge gestalten ein großes Plakat. In die Mitte wird ein Jesusbild geklebt.

Kreuze verschiedener Form werden ausgeschnitten und von den Firmlingen mit ihren Vorschlägen beschriftet, wie sie Jesus dienen können. Die Kreuze werden am Ende um das Jesusbild herum geklebt.

3. Abschlussrunde

Die Firmlinge präsentieren in der Großgruppe ihre Ergebnisse und kommentieren sie.

4. Ich erkenne mich in Getöpferten

Gott, ich bin eine leere Schale in der Sehnsucht nach dir.

Die Firmlinge formen Schalen aus Ton und verzieren sie mit einem Christussymbol.
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5. Ich - ein Ausweis Gottes

Die Firmlinge gestalten mit dem PC ihre eigene Visitenkarte, auf der sie ihren Firmnamen und ihren Firmspruch notieren. Außerdem formulieren sie einen Satz, der den freien Blick auf Jesus wieder aufgreift: Fußball ist mir wichtig, Gott aber auch. Die Visitenkarten tauschen sie im Anschluss untereinander aus.

6. Gottesdienst

Der Tag schließt mit einem Gottesdienst, an dem die Firmlinge sich aktiv beteiligen durch Fürbitten und Vorlesen von Gebet oder Lesung.

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