Ethische Fragestellungen und PC-Spiele Empfehlung

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Ballern für die Sache Gottes(1), Ethische Fragestellungen zu Computerspielen(2) oder Wie der Glaube in der Welt der Videospiele Platz findet(3)

Richard Broch aus der Medienstelle in Hamburg gibt Hinweise und Links zu elektronisch-visuell-basierten Spielen (PC-Games) im Religionsunterricht

Laut der aktuellen JIM-Studie4 beschäftigen sich 80 % der Jungen zwischen 12 und 19 Jahren täglich oder mehrmals pro Woche mit Spielen an digitalen Endgeräten, während nur 44% der Mädchen angaben, sich täglich mit Spielen auf ihren digitalen Geräten zu beschäftigen.
Diese Zahlen zeigen insgesamt, dass Computerspiele aus der Lebenswelt Jugendlicher nicht mehr wegzudenken sind.

Religiöse Inhalte


Christlichen Kirchen tun sich scheinbar schwer mit religiösen Spielen – sowohl auf CD-ROM, als auch online. Dazu ein Zitat (katholisch.de):
„Die Akteure, in diesem Fall die Spieleentwickler, bedienen sich in großer Beliebigkeit im religiösen Baukasten, ohne dabei auf Glaubenslehren oder -traditionen zu achten. Schon lange hat die Kirche ihren Einfluss verloren, und muss zusehen, wie ihre Inhalte und Erzählungen in der Kultur frei verwendet werden. Die einzige Grenze, die einen Spieleentwickler in religiöser Hinsicht einengt: Es darf nicht blasphemisch sein und damit "den öffentlichen Frieden" stören. Dazu eine Szene aus einem der erfolgreichsten Onlinespiele überhaupt:

„World of Warcraft“: Die kleine Gruppe von fünf Spielern steht vor der Kathedrale des "Scharlachroten Klosters". Bewacht wird diese von Kreuzrittern, die auf die Seite des Bösen gewechselt sind. Nachdem die Kreuzritter besiegt wurden, kämpfen die Spieler nun im Altarraum gegen den "Endgegner", den hohen Inquisitor. Nachdem dieser tot ist, ist es noch nicht vorbei: Er wird wiederbelebt und der Kampf beginnt erneut. (Szene aus dem PC-Spiel "World of Warcraft")

„World of warcraft“ ist ein typisches Onlinespiel, wo Strategie und Geschick zählt. Kreuzritter, Hexenverfolgungen, Inquisition usw. sind – wie oben schon gesagt – beliebige Bausteine aus dem „religiösen Baukasten“ und für den RU nicht wirklich geeignet (und auch nicht gedacht). Ebenfalls auf katholisch.de erwähnt ist das Onlinespiel überhaupt: „MINECRAFT“. Ein riesiger Erfolg vor allem im Primar- und Sek.I-Bereich sorgte dafür, dass es schon bald auf allen Plattformen angeboten wurde: PC, Smartphone, Tablet, Konsole. Und damit auch viel Geld verdient wurde. In diesem Spiel geht es darum, mit Hilfe von – gar nicht so modern anmutenden – Bauklötzchen eigene Welten zu erschaffen. Gegen Euros kann man zahllose Figuren und Möglichkeiten dazukaufen. Für den Einsatz im Unterricht ist das Spiel durchaus denkbar (entsprechende technische Vorbereitung vorausgesetzt). Ein Beispiel zeigt „Die inoffizielle Bibel für Minecrafter“ (in der Medienstelle ausleihbar). Hier werden Geschichten aus dem AT und NT mit „Klötzchen“ nachgebaut und erzählt. Ein weiteres – sehr ernsthaftes – Spiel zum Thema Krankheit und Tod „That dragon, cancer“ findet sich ebenfalls auf dieser Seite. Hier geht es um einen kleinen Jungen, der an Krebs erkrankt ist. Mit ähnlicher Aussage wie auf katholisch.de kommt auch die folgende Seite daher. Die „Beliebigkeit im religiösen Baukasten“ kommt auch hier zur Sprache mit wenig ansprechenden Beispielen: https://www.deutschlandfunk.de/religion-in-videospielen-ach-du-heiligerjoystick.2540.de.html

 

Ethische Fragestellungen

Die Welt der PC-Spiele wird aber nicht nur wegen konkreter religiöser Inhalte zum Lerngegenstand im Religionsunterricht, sondern auch wegen der ethischen Fragestellungen, die sich aus dem Umgang mit Online-Spielen ergeben:

1. Welche Werte werden in Videospielen vermittelt?

2. In welchen Punkten ist die künstlerische Freiheit der Programmierer eingeschränkt?

3. Können Videospielen unbedacht für pädagogische Zwecke eingesetzt werden?

4. Wie könnte man für den kulturellen Wert von Videospielen argumentieren?

5. Kann ein Videospiel den demokratischen Grundgedanken vereiteln?

(Grimm/Keber/Zöllner, Digitalen Ethik – Leben in vernetzten Welten, Stuttgart 2019, S. 152)

 

Spiele christlicher Anbieter

Auf den unten angegebenen Seiten werden Spiele angeboten, die unterhalb jeden Niveaus agieren. Ab und zu könnte man für den Unterricht vielleicht ein Quiz oder Puzzle nutzen. Ein echter „Knaller“ ist auf jeden Fall nicht dabei. Grund zur Hoffnung bietet eventuell das noch in der Entwicklung befindliche Onlinespiel „One of the 500“, das von der EKD (mit)entwickelt wird. Hier muss man wohl später noch einmal genauer hinschauen. Es geht um das Leben Jesu. Die Animationen sind auf jeden Fall schon einmal vielversprechender als auf den zuvor erwähnten Seiten.

www.bibel-spiele.net/

www.hallelujasoft.de/

www.religionen-entdecken.de/spiele/startseite

www.theology.de/theologie/fachbereiche/praktischetheologie/religionspaedagogikonlinespiele.php

www.relispiele.at/onlinespiele.htm

www.jesus.de/follow-jc-go-was-taugt-der-katholische-pokemon-go-klon/

www.bigbibletown.com/moses-der-freiheitskampfer-pc/

Angebote der großen Softwarehäuser

Der größte Spieleanbieter Deutschlands, INNOGAMES, ist mit Rollen- und Strategiespielen sehr erfolgreich. „Die Stämme“ ist ein Beispiel, andere Spiele unter www.innogames.com/de/spiele/alle-spiele/

Hier geht es, wie auch bei weiteren großen Anbieter wie GAMEFORGE um das gemeinschaftliche Spielerlebnis. Diese Spiele sind nie alleine, sondern immer nur zusammen mit anderen Mitspielern zu gewinnen. Gameforge bietet z.B. „Ikariam“ – ein „antik angehauchtes“ Handels- und Kriegsspiel, sowie auch „Kingsage“ oder „Damoria“. Diese Spiele sind nicht so gewaltverherrlichend wie „World of warcraft“, vermitteln aber – wie schon erwähnt – nur die eine Aussage: „Nur zusammen ist man stark.“

Zum Abschluss noch zwei Tipps aus dem Bestand der Medienstelle

Neben der bereits erwähnten „Bibel für Minecrafter“ ist vielleicht auch noch das im CornelsenVerlag 2019 erschienene Heft „Digital unterrichten: Apps & Co. Im Religions- und Ethikunterricht gezielt einsetzen“ für Sie interessant.

Ein Beispiel für ein Strategiespiel auf CD-ROM gibt es auch noch: „Jerusalem – die heilige Stadt“. Hier geht es um – auch in ähnlichen Produktionen gern benutzte – Zeitreisen. Sei es in die Zeit Davids, Jesus‘ oder der Kreuzzüge. Hier wäre allerdings zuvor noch eine technische Prüfung nötig, da auf Windows 10 längst nicht mehr alle älteren Spiele laufen.

1 https://www.deutschlandfunkkultur.de/religion-im-computerspiel-ballern-fuer-die-sachegottes.1278.de.html

2 https://www.ethik-evangelisch.de/lexikon/computerspiele

3 www.katholisch.de/artikel/20607-wie-der-glaube-in-der-welt-der-videospiele-platz-findet

4 https://www.mpfs.de/fileadmin/files/Studien/JIM/2019/JIM_2019.pdf