Schülerinnen und Schüler begegenen dem Judentum über ein religiöses Zeugnis

Eine Lehrkraft im Vorbereitungsdienst ermöglicht einer 4. Klasse einer katholischen Schule die Begegnung mit dem Judentum über den religiösen Gegenstand "Mesusa" (Foto: J. Schablitzki).

Dafür bietet das Unterrichtsmodell, das C.P. Sajak in "Kippa, Kelch, Koran" beschreibt, eine gute Struktur, um die Lernprozesse der Schüler_innen anzuregen.

Um das subjektive Konzept der Schüler_innen zu öffnen, geht es im Einstieg um ganz persönliche Gegenstände der Kinder, die sie im Alltag bei sich tragen, weil sie „Kraft spenden“. Sajak nennt das die Phase der „Inneren Beteiligung.

Dann reicht die Lehrkraft den fremden Gegenstand herum und erklärt, dass dieser Gegenstand für jüdische Gläubige eine ähnliche „Kraft spendende“ Bedeutung hat. Die Schüler_innen betrachten die Mesusa genau. Sie stellen dem Gegenstand Fragen und notieren das, was sie wissen möchten auf Karten. Die Lehrkraft sammelt die Karten ein, um sich auf einen kurzen Vortrag vorbereiten zu können, der genau diese Fragen der Kinder aufnimmt. (Phase der „Entdeckung“).

Die Lehrkraft lässt die Mesusa sprechen: „Ich bin eine Mesusa. Ich bin aus Holz und Metall. Mich gibt es aber auch in Plastik. Ich bin bei jüdischen Familien am Türrahmen angebracht. In mir steckt eine kleine Schriftrolle“… Die Schüler_innen hören das jüdische Glaubensbekenntnis und erinnern sich an andere „Glaubensbekenntnisse“. Nach dem Vortrag überprüfen die Schüler_innen, ob all ihre Fragen beantwortet wurden und stellen sich gegenseitig Nachfragen. Eine Schülerin darf mit Kreide an der Tür des Klassenzimmers markieren, wo die Mesusa angebracht wird. „Erinnert ihr euch an die Geschichte, in der Juden ihre Haustüren markieren sollten?“. Die SchülerInnen erinnern sich tatsächlich noch an die Geschichte von Moses und den zehn Plagen in Ägypten. Nacheinander geben einzelne Kinder den Inhalt wieder: Volk Israel, Sklaverei, Moses und der Pharao, Plagen, Lämmer, Blut, Türrahmen, Todesengel, Gott, Schutz (Phase der „Kontextualisierung“).

Die Schüler_innen spüren nach, was jüdische Gläubige empfinden, wenn sie die Mesusa berühren und warum es für sie so „Kraft spendend“ sein kann. Dazu vollziehen sie partnerweise am Kreidestrich der Klassenzimmertür die Geste nach. Ihre Gedanken formulieren sie auf dem Arbeitsblatt. Das Blatt "Mesusa AB Tür" hat die Lehrkraft zum Download zur Verfügung gestellt (Autorin: J. Schablitzki)

 

In einer abschließenden Phase tauschen sich die Schüler_innen darüber aus, ob es im katholischen Christentum einen Gegenstand oder eine Geste gibt, die „Kraft spendend“ wirkt, weil sie im Moment des Vollzugs an Gott erinnert. Sie können vom Kreuzzeichen erzählen, das bei Fußballern vor dem Elfmeterschießen sehen oder sie denken daran, wie sie sich bekreuzigen, wenn sie die Kirche verlassen (Phase der Reflexion).

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